Die Niederlassung von Bureau Veritas in Rotterdam war ursprünglich auf Petrochemie-Analysen spezialisiert. Eine Ausweitung in Richtung Nahrungsmittelmarkt erforderte eine neue Laboreinrichtung. Es wurde auch ein NMR-Spektroskop angeschafft, was die Bestimmung des Festfettgehalts jetzt fast im Handumdrehen ermöglicht.

Text: Leendert van der Ent | Übersetzung: Word’s Worth Fotografie: Marco Vellinga

Bureau Veritas erweiterte das vorhandene Gebäude mit einem Anbau, in dem ein komplett neues, ultramodernes Labor eingerichtet wurde. Außerdem wurde das bestehende Gebäude renoviert und neu eingerichtet. Edwin Cramer, Laborleiter: „Das alte Labor war sehr eng. Eine optimale Logistik war dort nicht mehr möglich". Als die Analysen im Petrochemie-Bereich um die von essbaren Fetten und Ölen erweitert wurden, wurde eine Neueinrichtung absolut notwendig. Das neue Labor erfüllt alle neuen Standards und Wünsche, z.B. bezüglich Klimakammern, Abzug und Luftqualität. Es wurde auch viel in neue Geräte investiert. Cramer: „Kunden erwarten ihre Testergebnisse immer schneller. Dafür brauchten wir zusätzliche Apparatur. Mit den neuen Geräten schaffen wir viel niedrigere Grenzwerte. Der neu entstandene Platz ermöglicht es uns das Labor in Produktgruppen einzuteilen um gegenseitige Verunreinigung zu verhindern: Benzin, Diesel, Kerosin, Methanol und Agrarprodukte. In diesem neuen Labor lässt es sich gut und angenehm arbeiten.“

Dieses nach ISO 8292 zertifizierte Gerät ist viel einfacher zu bedienen und viel schneller
Edwin Cramer, Laborleiter

Kernspinresonanzspektroskopie

Zum Agrarbereich gehören bis jetzt vor allem Tests von Palmöl und benutzte Speiseöle. Cramer: „Das ist ein wachsender Markt und deshalb werden wir in Zukunft unsere Arbeiten auf diesem Gebiet ausweiten und mehr Produkte und Analysen anbieten. So bereiten wir uns auf die kommende Energiewende vor.“ Alt- und Frittierfette gibt es in vielen Gradationen, von klar bis sauer oder voller Bodensatz. „Wir bestimmen die Qualität anhand der Bestimmungen der Vereinigung von Produzenten, Händlern, Transporteuren und Aufsichtsführenden im weltweiten Handel mit Ölen, Ölsaaten und Fetten (Federation of Oils, Seeds and Fats Associations (FOSFA))“, so Cramer. „Außer von FOSFA bekam das Labor Anfang März 2019 die ISO-17025-Zertifizierung des niederländischen Akkreditierungsrates.“ Das neue Arbeitsgebiet erforderte Apparatur, womit die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bisher noch nicht gearbeitet hatten. Für die Bestimmung des Festfettgehalts (engl. solid fat content = SFC) benutzt Bureau Veritas MQC23 Tisch-Kernspinresonanzspektroskopie -Apparatur von Oxford Instruments, von Salm & Kipp geliefert. Der MQC23 NMR funktioniert laut vielen internationalen Standardmethoden, die im Bereich von Nahrungsmitteln, Agrarprodukten und Petrochemie eingesetzt werden. Der Spektrometer ist einfach zu benutzen und flexibel. „Man kann tatsächlich viel mehr Analysen damit durchführen, wie z.B. die Analyse von Ölen und Fetten in Saaten und Nahrungsmitteln, Öl auf künstlichen oder natürlichen Fasern (Spinnpräparation), Öl in Wachs, Wachs in Öl, Wasserstoffgehalt in Brennstoffen konform ASTM7171 und der Fluorgehalt in Pudern. Wir benutzen bis auf weiteres nur diese Festfestanteil-Anwendung.“ Früher gab es dafür auch Nassprüfungen. „Diese ISO 8292-zertifizierte Apparatur funktioniert aber viel einfacher, benutzerfreundlicher und schneller“, weiß Cramer. Die Wahl dafür wurde während eines Seminars getroffen, auf dem Salm & Kipp die Möglichkeiten dieser Apparatur demonstrierte. „Das sah gut aus und fühlte sich gut an - es war genau das, was wir brauchten.“

Sofort betriebsbereit

Früher bedeutete der Gebrauch Kernspinresonanzspektroskopie eine große Investition und große Apparatur. Cramer: „Hier aber geht es um kompakte Technologie, die einfach auf dem Labortisch steht und die relativ bezahlbar ist.“ Bureau Veritas benutzt die Standardsoftware des Geräts, die vom Fabrikanten nach den eigenen Wünschen eingestellt wurde. Cramer: „Die waren zwei Tage damit beschäftigt alles zu installieren. Danach wurde uns der Umgang mit dem Gerät erklärt.“ Bureau Veritas braucht sich um nichts mehr zu kümmern. „Es ist sofort betriebsbereit und funktioniert gut“, so Cramer. „Es ist einfach um frühere Ergebnisse und Kalibrierungsdaten wiederzufinden. Manche andere Instrumente haben viele Anwendungen, wobei allerlei Möglichkeiten, die man gar nicht braucht, die Benutzerfreundlichkeit beeinträchtigen. Außerdem gibt es Apparate, bei denen man die Einstellungen nicht sichern kann. Dann misst man etwas und es stellt sich dann heraus, dass der vorige Benutzer bzw. die Benutzerin aus Versehen die Einstellungen verändert hat. Das Problem gibt es hier nicht. Nach den Probevorbereitungen gibt der Apparat selbst an, welche Schritte durchlaufen werden müssen. Man tut die Probe rein, drückt auf einen Knopf und dann bekommt man das Ergebnis. Wenn alle Apparatur doch nur so einfach wäre“, sagt Cramer.”

Mit Tisch-Kernspinresonanzspektroskopie gehen Festfettanteilanalysen jetzt fast auf Knopfdruck
Edwin Cramer, Laborleiter

Kleine Proben

Die Messungen dauern nur ein paar Sekunden. „Die gemessenen Resultate sind stabil - wenn man die gleiche Probe am nächsten Tag wieder misst, bekommt man das gleiche Ergebnis. Die Ergebnisse sind auch präzise“, findet Cramer. „Vielleicht braucht man für die Zurückverfolgung der geografischen Herkunft von Pfeffer und Olivenöl genauere Apparatur, aber das gilt für uns nicht“. Außer dem MQC23 hat Oxford Instruments auch den MQC5. „Unsere 23MHz-Variante ist durch seine höhere Empfindlichkeit sehr geeignet für kleinere Proben von einigen Millilitern. Die 5MHz-Variante dagegen schafft größere Mengen, wodurch weniger homogene Proben bestimmt werden können, zum Beispiel Saaten und Nahrungsmittel. Aber auch das ist für uns im Moment nicht nötig.“

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